TERMINANKÜNDIGUNG für Mittwoch, den 13.12.2017:

„Gallisches“ Dörfchen am Rhein will Grundschule vor Schließung retten

Eltern, Schüler und Bürger aus Bingen-Gaulsheim demonstrieren am Mittwoch, dem 13.12.2017, auf dem Dr.-Günter-Storch-Platz in Mainz gegen die geplante Schließung ihrer kleinen Grundschule „An den Rheinwiesen“. Sie kommen dafür mit zwei großen Reisebussen in die Landeshauptstadt. Erwartet werden ca. 80 Teilnehmer zwischen 9 und 90 Jahren. Um 13.45 Uhr demonstrieren sie am Rande der letzten Plenarsitzung dieses Jahres. Außerdem übergeben sie die in den vergangenen Tagen gesammelten mehr als 2500 Unterschriften für den Erhalt der Grundschule an Bildungsministerin Stefanie Hubig. verantwortet die Entscheidung über die Schließung und hat das letzte Wort.

Zaubertrank für gute Bildung

Mit im Gepäck ist ein großer Kessel voll mit dampfendem Zaubertrank, bestehend aus den besten Zutaten einer kleinen Schule in einem kleinen Ort: „Lernen in kleinen Gruppen“, „jeder kennt jeden“, „Groß hilft Klein“, „Einbindung in die Ortsgemeinschaft“ u.a.m. Die Gaulsheimer wollen damit nicht nur zeigen, dass die Schule für ihren Ort sehr wichtig ist. Sie kann als sogenannte Zwergenschule auch pädagogisch mit den großen Schulzentren mithalten und ist sogar in puncto Soziales und Beteiligung besser für die Kinder, sagen sie. Zusammen mit den Unterschriften soll die Ministerin eine Flasche dieses Zaubertranks erhalten, der sich nach Auffassung der Gaulsheimer bestens auf die Entwicklung von Grundschülern auswirkt. Alles spricht dafür, die kleine Schule zu fördern, statt sie zu schließen.

Argumente für den Standort Gaulsheim

Ministerin Hubig hat angeboten, zeitgleich zur Demonstration um 13.45 Uhr eine kleine Delegation in ihrem Büro im Bildungsministerium empfangen. Die Vertreter der Gaulsheimer Initiative bringen neben den gesammelten Unterschriften und dem Zaubertrank auch eine ausführliche Darlegung der Argumente, die für den Erhalt der Schule sprechen. Die Interessengemeinschaft fordert, die Gaulsheimer Schule mit der Grundschule im Nachbarort zu einer Organisationseinheit zusammen zu legen und auf diese Weise als Außenstelle zu erhalten. Schon jetzt werden beide Schulen von derselben Direktorin geleitet. Bingen-Gaulsheim als Außenstelle von Bingen-Kempten würde das Schulgesetz erfüllen, ohne die Schule ganz zu schließen.

Nach dem Schulgesetz muss eine Grundschule normalerweise pro Jahrgang eine Klasse bilden können. Es gibt Ausnahmen, wenn z.B. der Weg zur nächstgelegenen Schule länger als 30 Minuten beträgt oder die nächstgelegene Schule keine Kapazitäten hat, um die zusätzlichen Schüler aufzunehmen. Beide Punkte treffen auf Bingen-Gaulsheim zu. Warum die Schule trotzdem geschlossen werden soll, hat bisher noch niemand erklärt. Das würden die Gaulsheimer gerne von der Ministerin erfahren. Die Zusammenlegung mit der Schule im Nachbarort könnte ein Kompromiss sein, der das Gesetz erfüllt, ohne dem kleinen Ort zu schaden, und für die Gaulsheimer endlich Sicherheit schafft.

Die kleine Grundschule in Bingen-Gaulsheim gehört zu 9 Zwergenschulen, die das Land Rheinland-Pfalz nach Ablauf dieses Schuljahres schließen will. Die Gaulsheimer Grundschule besuchen derzeit 28 Kinder. Es gibt zur Zeit zwei Klassen. Erster und zweiter Jahrgang lernen gemeinsam, dritter und vierter Jahrgang bilden ebenfalls eine gemeinsame Klasse. Gaulsheim ist mit 1095 Einwohnern der kleinste Stadtteil von Bingen. Der Ort liegt westlich von Bingen eingegrenzt zwischen Rhein und Autobahn, sodass es keine Möglichkeit für ein Neubaugebiet gibt. Umso wichtiger ist die Grundschule, weil sie zusammen mit dem Kindergarten einen „Standortvorteil“ darstellt, der junge Familien in den kleinen Ort zieht.

Politische Unterstützung für Gaulsheim aus allen Parteien

Die Stadt als Träger steht geschlossen hinter der Gaulsheimer Initiative. Bingens OB Feser (CDU) hat bereits angekündigt, notfalls gegen eine Schließung zu klagen. Michael Hüttner MdL (SPD) stellt sich gegen die Entscheidung seiner Parteikollegin Hubig: „Ich stehe uneingeschränkt hinter der Schule in Gaulsheim“. Hüttner und Staatssekretär Barbarao hatten bereits im Februar 2017, lange vor der Entscheidung, öffentlich verkündet, der Standort Gaulsheim sei sicher.

Noch ist die Sache nicht entschieden: Zuerst wird nun die Stadt als Träger gehört, anschließend – falls es zu keiner Einigung kommt – auch die Elternvertretung. Die Gaulsheimer wollen diese Chance nutzen, um eine Schließung doch noch abzuwenden. Mit der Demonstration wollen sie zeigen: Die Schule ist uns nicht egal!

Ablauf der Aktion
13.00h Abfahrt in Bingen-Gaulsheim, Grundschule
13.30h Ankunft in Mainz, Dr.-Günter-Storch-Platz, Aufbau
13.45h Demonstration auf dem Dr.-Günter-Storch-Platz
 (Möglichkeit für Foto- und Filmaufnahmen, Interviews)
ca. 14.30h Rückfahrt nach Bingen-Gaulsheim