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GRUND­SCHU­LE GAULS­HEIM Noch im­mer liegt kei­ne Ent­schei­dung zur Zu­kunft des Stand­or­tes vor
Von Er­ich Mi­cha­el Lang

GAULS­HEIM/MAINZ/TRIER. Die Span­nung steigt ins Un­er­träg­li­che. Die Dra­ma­tur­gie der Dis­kuss­ion um die Zu­kunft der Grund­schu­le An den Rhein­wie­sen steht ei­nem ver­ita­blen Thril­ler in nichts nach. Seit über ei­nem Jahr nun schon war­tet die Schul­ge­mein­schaft auf die ab­schlie­ßen­de Be­wer­tung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums und der Auf­sichts­be­hör­de, der ADD in Trier. Still aber ruht der See. Für den Ja­nu­ar hat­ten vie­le ei­ne Ent­schei­dung er­war­tet, ob die klei­ne Schu­le wei­ter exis­tie­ren kann oder nicht. Seit­dem rech­nen al­le, de­nen das Schi­cksal der Grund­schu­le nicht gleich­gül­tig ist, prak­tisch täg­lich mit ei­ner Nach­richt aus Mainz oder Trier. Aber Mi­nis­te­ri­um und ADD las­sen sich Zeit und sind seit ei­nem Ge­spräch mit dem Schul­trä­ger, der Stadt Bin­gen, am 19. De­zem­ber, in der Ver­sen­kung ab­ge­taucht. Ei­ne AZ-An­fra­ge ans Mi­nis­te­ri­um, ob denn nun und wann denn nun, ver­hall­te in der ver­gan­ge­nen Wo­che oh­ne Ant­wort.

„Ver­fah­ren ist al­les an­de­re als trans­pa­rent“

Der Ner­ven­krieg um die­se Un­ge­wiss­heit ist es in­zwi­schen vor al­lem, der die El­tern­ini­tia­ti­ve, die sich seit Mo­na­ten für den Er­halt der Schu­le ein­setzt, auf die Pal­me bringt. „Das Ver­fah­ren ist al­les an­de­re als trans­pa­rent! Es ist aus un­se­rer Sicht ein Aus­druck von Re­spekt­lo­sig­keit, Schü­ler, El­tern und Leh­rer so lan­ge im Un­ge­wis­sen zu las­sen“, sagt Jan Fre­richs, Spre­cher der Ini­tia­ti­ve. Er ver­weist auf die ei­ge­nen Leit­li­ni­en des Lan­des, in de­nen es un­ter an­de­rem heißt: „Schul­lei­tung, Kol­le­gi­um, ört­li­cher Per­so­nal­rat, Schul­aus­schuss und El­tern­bei­rat der be­trof­fe­nen Schu­le so­wie der mög­li­cher­wei­se be­trof­fe­nen Nach­bar­schu­le(n) sind da­bei früh­zei­tig zu in­for­mie­ren und er­hal­ten in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den Ge­le­gen­heit, den Ver­fah­rens­stand mit dem Schul­trä­ger zu er­ör­tern.“ Da­von kön­ne in Gauls­heim kei­ne Re­de sein. In der Tat gab es sei­tens des Mi­nis­te­ri­ums oder der ADD öf­fent­lich kei­ne Stel­lung­nah­me zu den von Schul­trä­ger und Schul­ge­mein­schaft vor­ge­brach­ten Ar­gu­men­ten für den Er­halt der Grund­schu­le. Es heißt le­dig­lich, es wer­de ge­prüft. Auch der Rat der Stadt Bin­gen hat auf sei­ne Re­so­lu­ti­on vom Fe­bru­ar 2017 zum Er­halt der Grund­schu­le kei­ne of­fi­ziel­le Ant­wort er­hal­ten. Den Par­la­men­ta­riern geht es al­so nicht an­ders als den El­tern.

Was zu­letzt als schwer­wie­gen­des Ar­gu­ment im Raum stand, war der Hin­weis, dass nach den Lan­des­richt­li­ni­en der Schul­weg für die Kin­der viel zu weit und zu ge­fähr­lich sein wür­de, müss­ten sie künf­tig die Grund­schu­le an der Burg Klopp be­su­chen. Hier­zu trans­por­tie­ren die Busch­trom­meln le­dig­lich das Sta­te­ment von Mi­nis­te­ri­um und ADD, man ha­be mit­hil­fe ei­ner „Ma­trix“ al­le Ar­gu­men­te ab­ge­wo­gen. Was das be­deu­tet, bleibt al­ler­dings im Dun­keln, wie al­les an­de­re auch.

Im Fe­bru­ar 2017 hat­te das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um Zwerg­grund­schu­len im Land auf den Prüfs­tand ge­ho­ben, um de­ren Exis­tenz­be­rech­ti­gung zu über­prü­fen. Da­run­ter auch der Stand­ort Gauls­heim. Im De­zem­ber hieß es dann, Gauls­heim zäh­le zu den Stand­or­ten, die nicht er­hal­ten wer­den könn­ten. Da­rauf­hin brach der Sturm der Ent­rüs­tung, der zu­vor schon kräf­tig weh­te, erst rich­tig los.

Das Ver­fah­ren sah dann wei­te­re Ge­sprä­che vor, um mit al­len Be­tei­lig­ten die Ent­schei­dung ab­zu­stim­men. Des­halb kam es dann im De­zem­ber zu dem Tref­fen mit dem Schul­trä­ger.

Vie­le ge­hen in­zwi­schen da­von aus, dass auf­grund der Ar­gu­men­te und des An­ge­bots, Gauls­heim ein­fach in ei­nen Schul­be­zirk mit Kemp­ten zu­sam­men­zu­le­gen und zur De­pen­dan­ce der Drei­kö­nigs­schu­le zu ma­chen, die Chan­cen für ei­nen Er­halt der Schu­le an den Rhein­wie­sen nicht schlecht ste­hen. Si­cher aber kann nie­mand sein. Soll­ten Mi­nis­te­ri­um und ADD schließ­lich doch und wi­der Er­war­ten den Dau­men nach un­ten dre­hen, wird die An­ge­le­gen­heit vor Ge­richt wan­dern. Die Stadt hat für die­sen Fall be­reits recht­li­che Schrit­te an­ge­kün­digt. Zu er­war­ten ist, dass dann in ei­nem Eil­ver­fah­ren die Um­set­zung des Be­schei­des einst­wei­len ge­stoppt wird, um dann ge­richt­lich über­prüft wer­den zu kön­nen. Bis zu ei­nem Ur­teil wür­de sich in Gauls­heim nichts än­dern. In­so­fern ist es frag­lich, dass im Fall der Fäl­le ein mög­li­cher Schlie­ßungs­be­schluss tat­säch­lich schon zum Som­mer 2018 greift.

SCHUL­GE­SETZ

„Laut Schul­ge­setz müs­sen Grund­schu­len min­des­tens ei­ne Klas­se je Klas­sen­stu­fe um­fas­sen. Nicht mehr al­le Grund­schu­len in Rhein­land-Pfalz er­rei­chen die­se Min­dest­grö­ße. Im Schul­jahr 2016/2017 hat­ten von 964 Grund­schu­len 49 nur ei­ne oder zwei Klas­sen – an der klein­sten lern­ten sie­ben Schü­ler­in­nen und Schü­ler, an der größ­ten der zweik­las­si­gen Grund­schu­len 43 Schü­ler­in­nen und Schü­ler. Da acht der klein­sten Schu­len per­spek­ti­visch wie­der von mehr Kin­dern be­sucht wer­den, stan­den ins­ge­samt 41 klei­ne Grund­schu­len zur Über­prü­fung an.“

Aus ei­ner Mit­tei­lung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums vom No­vem­ber 2017. An der Grund­schu­le Gauls­heim wird in den Klas­sen auch jahr­gang­sü­berg­rei­fend un­ter­rich­tet.

QUELLE: Allgemeine Zeitung

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