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In Rheinland-Pfalz standen 41 kleine Grundschulen wegen zu weniger Schüler auf der Kippe. Bildungsministerin Hubig (SPD) hat nun bekannt gegeben, welche dieser so genannten Zwergschulen schließen müssen – und Kritik dafür geerntet.

Die Landesregierung plant, zum Ende des laufenden Schuljahres neun kleine Dorfschulen zu schließen. Nach einer intensiven Einzelfallprüfung habe sich das Land aus pädagogischen und organisatorischen Gründen zu dem Schritt entschlossen, erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in Mainz.

Zwischen 12 und 33 Schüler besuchen diese Schulen derzeit noch. Alle zur Schließung vorgesehenen Schulen verfehlen derzeit deutlich die gesetzliche Mindestgröße von einer Klasse pro Jahrgang.
Die Grundschulen in folgenden Orten müssen schließen:

Reifferscheid (Kreis Adenau)
Lieg (Kreis Cochem-Zell)
Frankenstein (Kreis Kaiserslautern)
Schöndorf (Kreis Trier-Saarburg)
Pünderich (Kreis Cochem-Zell)
Kirchen Michael – Sprengel Herkersdorf (Kreis Altenkrichen)
Bingen-Gaulsheim (Kreis Mainz-Bingen)
Oberkail (Eifelkreis Bitburg-Prüm)
Wintrich (Kreis Bernkastel-Wittlich)

Insgesamt hatte das Bildungsministerium gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde ADD den Fortbestand von 41 rheinland-pfälzischen Zwergschulen überprüft. Die kleinste Schule des Landes in Klotten an der Mosel mit zuletzt noch sieben Schülern war bereits im Sommer 2017 geschlossen worden.

Ursprünglich drohte sogar 49 Grundschulen im Land die Schließung. Für acht dieser Schulen hatte die Bildungsministerin im Sommer erklärt, dass sie weiter unterrichten dürfen, weil die Schulbehörde wieder steigende Schülerzahlen erwarte.
„Schlecht für den ländlichen Raum“

Für die Landes-CDU sind die geplanten Schließungen ein schlechtes Zeichen für den ländlichen Raum. Die bildungspolitische Sprecherin der Partei, Anke Beilstein, sprach von einer „Bankrotterklärung für zukunftsfähige Bildungspolitik“. Es sei völlig unverständlich, warum gute Strukturen bewusst zerschlagen würden. Die Folgen für die Infrastruktur in den betroffenen Orten würden dramatisch sein. Dies verringere deren Attraktivität im Bemühen um eine Neuansiedlung junger Familien. Auch aus fachlicher Sicht sei die Entscheidung der Landesregierung nicht nachvollziehbar.

Auch die AfD kritisierte die Pläne als falsches Signal für den ländlichen Raum. AfD-Landesvize Joachim Paul sagte, es sei nicht hinnehmbar, dass die Grundschulen gegen den Widerstand vor Ort geschlossen werden. Ihm sei schleierhaft, warum die Anregung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) nicht aufgegriffen werde. Diese sehe vor, das Schulgesetz so zu ändern, dass eine paritätische Mitbestimmung der Schulträger gewährleistet sei.
VBE: Weniger Schulen betroffen als befürchtet

Der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold sagte, es seien weniger Schulen als befürchtet. Insoweit sei der VBE erfolgreich gewesen, durch das Bewusstmachen der Problematik den Umfang der Schließungen einzudämmen und das Ausbluten im ländlichen Raum zu verhindern. Allerdings sei die Entscheidung vom Bildungsministerium und der ADD getroffen worden. Die Entscheidung müsse vielmehr beim betroffenen Schulträger liegen. Es sei wichtig, flächendeckend den wohnortnahen Besuch von Grundschulen zu ermöglichen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) erklärte, die Schließung dürfe nicht aus reinen Kostengründen erfolgen. Die Gründe müssten von allen Beteiligten nachvollzogen werden können. „Es ist aus pädagogischen und aus arbeitsplatztechnischen Gründen jedoch nachvollziehbar, dass eine Grundschule irgendwann zu klein ist, um sie zu erhalten“, so GEW-Landeschef Klaus-Peter Hammer. Bei der bekannt gegebenen Liste sei erkennbar, dass sich die Landesregierung nicht leicht getan habe, eine Entscheidung zu treffen.
Hubig: Haben keinen Kahlschlag gemacht

Ministerin Hubig sprach von einer schweren Entscheidung: „Es war klar, dass es erhebliche Proteste und Ärger geben wird.“ Dennoch habe das Land die Zusage eingehalten, dass es zu keiner breit angelegten Schulschließungswelle komme. Dies sei zu keinem Zeitpunkt geplant gewesen. „Bei 962 Grundschulen im Land reden wir hier von zehn“, sagte Hubig. „Wir haben keinen Kahlschlag gemacht.“ Insgesamt seien von der Entscheidung 209 Schülerinnen und Schüler betroffen. Alle verbeamteten und angestellten Lehrkräfte würden an Schulen in der Nähe eingesetzt.

Nach der Entscheidung des Landes wird es auch künftig weiter einige „Zwergschulen“ in rheinland-pfälzischen Dörfern geben. An zwei Orten, in Mörsdorf (Rhein-Hunsrück-Kreis) und Müden (Kreis Cochem-Zell), bleiben sogar Schulen mit nur einer einzigen Klasse erhalten; dort werden Erst- bis Viertklässler gemeinsam unterrichtet. Das Land halte die Lernbedingungen dort zwar nicht für optimal, aber im Fall von Müden fehlten Kapazitäten an den benachbarten Schulen. In Mörsdorf gebe es eine extrem große Akzeptanz im Dorf für die Schule. Seit vielen Jahren würden alle Kinder aus dem Ort dort angemeldet.

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